Dr. Alexis Malefakis

Kurator, Sammlung Afrika, Völkerkundemuseum Universität Zürich

Womit beschäftigen Sie sich aktuell? Was liegt auf Ihrem Schreibtisch?

Gerade lese ich mich in musikethnologische Literatur zu westafrikanischen Trommeln ein. Ich bereite gerade eine Ausstellung vor, in der ich unter anderem untersuchen möchte, welchen Einfluss westafrikanische Musik und Rhythmen auf globale Musik genommen haben. Karibischer Reggae beruht ja zum Teil auf jamaikanischen Trommeltraditionen, wie Kumina und Nyabinghi, die sich auf afrikanische Trommeltraditionen beziehen. Über Dancehall und Dub hat so die afrikanische Musik bis in Hiphop und aktuelle elektronische Musik hineingewirkt. Um die Wurzeln dieser Entwicklung zu verstehen gehe ich also ganz an den Anfang zurück und lerne über verschiedene Trommel-Traditionen zum Beispiel in Ghana und Nigeria. Da ich selber Schlagzeuger bin, interessiert mich das natürlich auch privat.

Wie sind Sie dahin gekommen, wo Sie heute stehen?

Während dem Ethnologie-Studium habe ich ein Praktikum in einem ethnologischen Museum gemacht. Dabei hat mir besonders die Abwechslung gefallen, das Stöbern in den Archiven, die spannenden Objekte, und auch die Kreativität wenn es darum ging, eine Ausstellung vorzubereiten. Am Ende der Promotion habe ich dann die Stellenausschreibung in Zürich gesehen und – auf gut Glück –eine Bewerbung geschickt. Wirklich geplant hatte ich das aber nicht, in einem Museum zu arbeiten.


 

Was hat Sie zu Ihrer Studienwahl motiviert?

Als halber Grieche und halber Deutscher bin ich zwischen zwei Kulturen aufgewachsen. Ich habe mich in Deutschland nie ganz zuhause gefühlt. In Griechenland aber auch nicht. Erfahrungen der Fremdheit und das Nachdenken über Unterschiede in Kulturen kannte ich also schon bevor ich wusste, was Ethnologie ist. Als ich dann von diesem Studienfach erfahren habe, war ich begeistert, dass man sowas studieren kann. Die Begeisterung ist bis heute geblieben.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Tätigkeit?

Mein Job ist sehr vielfältig, das ist mit das Beste daran. Ich studiere quasi weiterhin Ethnologie, ich lese, schreibe, diskutiere. Auch unterrichte ich Studierende an der Uni Zürich. Zu meinem Kerngeschäft gehört die Betreuung der Afrikasammlungen am Völkerkundemuseum. Da habe ich mit externen Wissenschaftlern zu tun, aber auch mit den Restauratorinnen in unserem Haus. Von ihnen lerne ich über Materialien und Herstellungstechniken. Und natürlich mache ich Ausstellungen, wähle Objekte aus, recherchiere zu ihnen, konzipiere einen Erzählstrang für die Ausstellung, der dann mit einem Team von Gestaltern und Technikern realisiert wird. Zu den Ausstellungen gibt es in der Regel ein Begleitbuch, dafür müssen Texte geschrieben, Ko-Autoren gefunden, Bilder ausgewählt, Umschläge gestaltet werden. Besondere Höhepunkte sind die Forschungsreisen, wenn ich für Recherchen zu Ausstellungen nach Afrika reise, um vor Ort Menschen zu treffen und von ihnen zu lernen. Langweilig wurde mir bislang nicht.

Worin liegt Ihre besondere Expertise?

Neben meiner fachlichen Kompetenz als Ethnologe mit Afrikaschwerpunkt denke ich, dass man als Kurator vor allem lernen muss zu priorisieren. Man muss sich gut organisieren, um all die unterschiedlichen Aufgaben unter einen Hut zu bekommen.