Hansueli Meier

Theologe, Programmverantwortlicher Chile, Mission 21

Womit beschäftigen Sie sich aktuell? Was liegt auf Ihrem Schreibtisch?

Ein Schwerpunkt meiner aktuellen Arbeit liegt in der Erarbeitung des neuen Kooperationsprogramms Lateinamerika 2018 – 2021. Die Erarbeitung findet in Zusammenarbeit mit meiner Arbeitskollegin statt, wobei ich verantwortlich bin für die Projekte im Bereich „Theologische Ausbildung – gesellschaftsverändernde Kirche“. Mission 21 ist daran, ihre Lateinamerikaarbeit neu auszurichten. Es geht darum, die Relevanz von Theologie, Religion und Spiritualität für gesellschaftliche Veränderungsprozesse klarer hervorzuheben, das heisst in anderen Worten, den Zusammenhang zwischen Religion und Entwicklung sichtbarer zu machen. Es handelt sich um eine spannende, kreative Arbeit, die im inhaltlichen Austausch mit den Projektpartnern realisiert wird. Im Zusammenhang mit dem neuen Programm bin ich ausserdem mit der Organisation und inhaltlichen Gestaltung eines Meetings mit der Beteiligung aller Projektpartner beschäftigt. Dieses findet anfangs September in Lima statt. Daneben gibt es auch immer wieder administrative Aufgaben zu erledigen wie Projektberichte, Abrechnungen oder aktuell die Erstellung des Jahresbudgets.

25% meiner 90%-Anstellung darf ich mich exklusiv dem Thema „Religion und Entwicklung“ widmen, und zwar im Rahmen der Kooperationsgemeinschaft von Brot für alle, der elf Werke, mehrheitlich so genannte Faith Based Organisations (FBO), angehören. Schwerpunkte dieser Arbeit sind die Förderung einer religions- und kultursensiblen Projektarbeit, die Motivation der FBOs in den Partnerländern, sich gesellschaftlich zu engagieren und das Sichtbarmachen der Konsequenzen dieses Engagements sowie die Auseinandersetzung mit dem Entwicklungsbegriff.

Wie sind Sie dahin gekommen, wo Sie heute stehen?

Schon während meines Theologiestudiums hatte ich ein grosses Interesse an missionstheologischen Veranstaltungen, obwohl diese fakultativ waren. Während eines Aufenthaltes im Missionshaus im Rahmen des Vikariatskurses erkundigte ich mich nach Möglichkeiten für einen mehrmonatigen Einsatz in Lateinamerika, worauf ich ein einjähriges Praktikum in La Paz, Bolivien absolvieren durfte. Land und Kultur haben mich dermassen beeindruckt, dass ich den Wunsch hatte, in Bolivien zu leben und zu arbeiten. 2003 brach ich meine Zelte in der Schweiz ab und arbeitete mehrere Jahre als Voluntär in einem Frauen- und Kinderprojekt. Daneben unterrichtete ich sporadisch an der theologischen Ausbildungsstätte ISEAT Kirchengeschichte. 2004 habe ich in eine Aymara-Familie eingeheiratet und lernte so Kultur und Spiritualität der Aymaras (indigenes Volk, das rund um den Lago Titicaca lebt) vertiefter kennen. 2006 hat sich die Gelegenheit ergeben, mich für eine Stelle als ökumenischer Mitarbeiter von Mission 21 zu bewerben, und zwar als Studienleiter in der lutherischen Kirche Boliviens, eine Kirche deren Mitglieder mehrheitlich der Ethnie der Aymaras angehören. Während sich die Zusammenarbeit mit der kirchlichen Hierarchie eher als schwierig erwies, war diese mit den Frauen und Jugendlichen umso erfreulicher. Selten war ich so wissbegierigen Menschen begegnet!

Nach Beendigung des Vertrages Ende 2008 lebten wir einige Jahre in Genf, wo ich mich als Hausmann in erster Linie um unsere 2006 geborene Tochter kümmerte. 2011 bewarb ich mich für die Stelle des Programmverantwortlichen Chile und kontinentale (theologische) Projekte, die ich seither innehabe. 

Was hat Sie zu Ihrer Studienwahl motiviert?

Grund meiner Studienwahl war der Wunsch, Pfarrer zu werden. Fasziniert am Pfarrberuf hatte mich insbesondere dessen Vielfältigkeit. Zu Beginn des Studiums standen theologische Fragestellungen eher im Hintergrund. Diese gewannen aber zunehmend an Gewicht, insbesondere, als ich mit kontextuellen Theologien wie die lateinamerikanische Befreiungstheologie oder die feministische Theologie in Berührung kam.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Tätigkeit?

Am meisten fasziniert mich an meiner Stelle, dass ich verschiedene spannende Bereiche verbinden kann: Theologie, Projektmanagement, lateinamerikanischer Kontext, Kontakt mit Menschen verschiedenster Herkunft etc.

Worin liegt Ihre besondere Expertise?

Ich bringe wohl eine hohe interkulturelle Kompetenz mit, die ich durch das Leben mit einer bolivianischen Familie und an verschiedenen Arbeitsplätzen in Bolivien erworben habe. Daneben spielen meine Kenntnisse im Bereich des Projektmanagements eine wichtige Rolle:  Meines Erachtens handelt es sich dabei um ein gutes Instrument für eine zielgerichtete und problemlösungsorientierte Arbeit.