Japanologie

Japanologie ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Japan von den historischen Anfängen bis zur Gegenwart. Ihr Fundament ist die Erschliessung und methodisch reflektierte Interpretation von originalsprachlichen Quellen und von Primärdaten. In seinen Anfängen im 19. Jahrhundert wurde das Fach in Europa als aussereuropäische Philologie betrieben. Der Schwerpunkt lag entsprechend auf den ältesten historischen, religiösen und literarischen Schriftzeugnissen und ihren sprachlichen Grundlagen. Mit dem politischen und wirtschaftlichen Aufstieg Japans ab den 1960er Jahren kam die sozialwissenschaftliche Erforschung des gegenwärtigen Japan als zweite wesentliche Forschungsrichtung hinzu. Heute wird in der Japanologie in reger Auseinandersetzung mit anderen Disziplinen ein breites Spektrum von Themen erforscht: von den Herausforderungen durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung über den Umgang mit Migration oder sozialen Bewegungen in Japan bis hin zu bioethischen Debatten, Formen der modernen und klassischen Literatur (einschliesslich manga und anime), oder der Geschichte der japanischen Mythologien und ihren einheimischen, kontinentalen und überseeischen Quellen. Standen in der älteren Japanologie vor allem japanische Besonderheiten im Fokus, werden die behandelten Themen inzwischen zunehmend im regionalen, ostasiatischen, aber auch im globalen und transnationalen Kontext gesehen. Dies gilt für aktuelle Fragen wie etwa die japanische Wirtschafts- und Aussenpolitik oder den Umgang mit Naturkatastrophen und risikoreichen Energieträgern wie der Atomkraft, aber auch für Themen der älteren Geschichte von der Messung und symbolischen Ordnung der Zeit bis zur höfischen Literatur oder den historischen Formen des Wissens.

Japanologie kann in der Schweiz an den Standorten Genf und Zürich im Haupt- oder Nebenfach auf allen Studienstufen studiert werden und ist ein eigenes Promotionsfach.

Im Studium der Japanologie nimmt in den ersten Jahren der Erwerb sprachlicher Kompetenz einen grossen Raum ein. Innerhalb von zwei Jahren lernen Studierende mittels moderner sprachdidaktischer Methoden, Texte auf akademischem Niveau zu lesen und sich mündlich und schriftlich zu verständigen. An beiden Standorten Genf und Zürich stehen ihnen dabei entsprechend ausgebildete Lektoren sowie eigens entwickelte Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Spezielle Kurse unterstützen die Vorbereitung auf die standardisierte Japanischsprachprüfungen (Japanese Language Proficiency Test, JLPT) für Nicht-Muttersprachler, die jährlich an der Universität Zürich abgehalten werden. In den späteren Studienphasen kommen Kurse zu den älteren Sprachformen (bungo/klassische Schriftsprache und kanbun/sinojapanischer Notatstil) hinzu. Austauschprogramme mit renommierten japanischen Universitäten geben die Möglichkeit, ein Studienjahr in Japan (teilweise mit Stipendien) zu absolvieren. Hierbei können nicht nur in der Praxis umfassende Japanerfahrungen gesammelt und die eigenen Japanischkenntnisse verbessert werden, sondern die dort erbrachten Leistungen sind häufig auch auf das hiesige Studium anrechenbar. 

Inhaltlich spiegelt das Lehrangebot während der ersten Studienjahre die Breite des Faches wieder. Studierende erhalten einen Einblick in Geschichte, Gesellschaft und kulturelle Entwicklungen des Landes von den Anfängen bis in die heutige Zeit. In den Vertiefungsveranstaltungen der späteren Studienphasen (3. Jahr BA sowie MA und Doktorat) ist ein enger Bezug zur Forschung gegeben. Hier richten sich die Themen entsprechend nach dem Profil der einzelnen Lehrstühle (siehe die unten angegebenen Links). Die Graduiertenstudiengänge sind grundsätzlich auf Forschung ausgerichtet. Entsprechend steht die vertiefte Erschliessung von Quellen und Daten sowie deren methodisch kontrollierte Interpretation mit Blick auf japanische wie globale disziplinäre Paradigmen im Zentrum.

Während das Japanologiestudium nicht auf einen bestimmten Beruf hinführt, sind erfolgreiche Absolventen gut auf den Berufseinstieg in einer Vielzahl von Bereichen vorbereitet. Mögliche Tätigkeitsfelder reichen hierbei von der Privatwirtschaft und Diplomatie bis zur Kulturvermittlung und internationalen Organisationen. Ein Teil der Studierenden ist nach Studienabschluss in Japan arbeitstätig. Häufig öffnet ein Praktikum oder eine Nebentätigkeit während des Studiums einen ersten Einstieg.